Heiltherapeutische Verfahren mit Pferden

Das reaktive Sitzen und/oder Fahren ohne Eigeninitiative oder gar Lenken des Pferdes hat eine heilende Wirkung und gewinnt zunehmend an Bedeutung im krankengymnastischen und psychosozialen Bereich.

In den vielen Jahren der krankengymnastischen Behandlung von Kindern und Erwachsenen konnten große Fortschritte bei der Beweglichkeit und bei der Minderung der spastischen Verkrampfung gesehen und neuerdings auch wissenschaftlich untersucht, festgestellt werden. Ganz nach den individuellen Fähigkeiten, Bedürfnissen und Erkrankungen der Fachbereichsbewohner Innen erfolgt die jeweilige pädagogische Zielsetzung in Zusammenarbeit mit den Fachbetreuern.

Die Residenz bietet nicht nur durch die aktive Teilnahme, sondern auch durch die passiv-aktive Beteiligung jedem Menschen mit seiner Behinderung (auch dem Tetraplegiker oder stark Schädel-Hirn-Verletzten) die Möglichkeit, an diesem Angebot teil- zunehmen. Die Therapie- und Sportanlage mit Stallgebäude, Kutscherklause, überdachtem Freisitz, Außenreit- und Fahrplatz und eigenen Reit- und Fahrwegen (ohne die „Gefahren“ der öffentlichen Wege) bietet Menschen und Tieren viel Freiheit für Bewegung, Raum für Beobachtungen, Erfahrungen und dem aktiven Auseinandersetzen mit sich selbst, den Tieren und anderen Menschen als Gruppenpartnern. Auch dies ist, neben der Arbeit mit dem Pferd, Teil des therapeutischen Gesamtkonzeptes.

Dies und die pädagogischen Ausbildungen und Erfahrungen, die verschiedenen Menschen- und Pferdepersönlichkeiten, die vielfältigen Möglichkeiten der Aktivitäten rund ums Pferd und die Einbettung in natürliche Lebenszusammenhänge nutzen wir, um positive Entwicklungen anzuregen und zu fördern.

Soweit es uns möglich ist, beziehen wir auch andere Bezugspersonen mit ein (Partner, Eltern und Kinder ). Die therapeutische Wirkung ist vielschichtig und komplex und ist eingebettet in das Prinzip der Sinneswahrnehmung der Einrichtung: Sie umfasst das körperlich- Sinnhafte Kennen lernen des Pferdes mit seinem Bewegungsrhythmus, das emotionale Erleben der ganzen Situation und die Beziehung zu dem Pferd, die in der Regel frei von Konflikten ist, unter denen die Bewohner in ihrer sozialen Umgebung leiden. Die Angehörigen können zuschauen und auf diese Weise an dem Ablauf der Therapie teilnehmen.

Die Entwicklung eines Gefühles von Selbstsicherheit und Kompetenz drückt sich deutlich in der Körperhaltung aus. Auch Veranstaltungen für die Öffentlichkeit innerhalb des Bereiches der Residenz mit einem größeren Zuschauerkreis bedeuten immer einen besonderen Höhepunkt, der schmerzlich empfundenen sozialen Ausgrenzung von psychischen Störungen entgegenwirkt.

Einen besonders hohen Stellenwert nimmt für jeden Menschen mit seinen individuellen Behinderungen das heilpädagogische Fahren im sozialen Umfeld ein, bedeutet dies doch eine der einigen Gelegenheiten, sich mit Nichtbehinderten als Gleichwertig anzusehen, da diese Art ein nahezu gleichberechtigtes Nebeneinander von Behinderten und Nichtbehinderten, Anfängern und Fortgeschrittenen im Sinne einer umfassenden sozialen Integration ermöglicht. So kann auch ein schwer behinderter Fahrer seinen Platz und die Akzeptanz Nichtbehinderter erfahren.

Die unterschiedlichsten Beweggründe veranlassen den Bewohner sich für das Pferd als möglichen therapeutischen oder sportlichen Partner zu interessieren. Aufgrund der individuellen Behinderung jedes einzelnen und besonders bei einer aktiven Beteiligung und der damit verbundenen körperlichen, psychischen und konditionellen Herausforderung, wird generell im Vorfeld mit unserem Arzt und dem Team die „Fähigkeit der Teilnahme“ festgelegt. Durch die positive Aufnahme dieser Art von Betreuung in unseren täglichen Ablauf ist eines unserer Ziele erreicht worden, nämlich zunehmender Abbau von Sonderbehandlung und Gettoisierung zugunsten einer möglichst weit reichenden Eingliederung in das normale Leben.

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